2. Mai 2016 – Reise ins Zauberland hat sich gelohnt!

„Ding dong die Hexe ist tot …“

Vier volle Vorstellungen des „Zauberer von Oz“ begeisterten das Publikum

Lisbeth läuft hüpfend aus dem Saal, springt wie nur kleine Kinder schwerelos tänzeln können und singt: „Ding dong, die Hexe ist tot!“

Diese Zielgruppe hat das Stück erreicht und nicht nur diese: Die Premiere des Zauberers von Oz fand vor den anspruchsvollsten Zuschauern statt, den über 300 Schülerinnen und Schülern der Blote Vogel Schule. Wer es schafft, Schüler im Alter von 6 bis 18 eine Stunde lang mit einem Märchen in den Bann zu ziehen, der hat das Beste aus einem Bühnenstück herausgeholt. Intensives Spiel, beeindruckend gesungene Lieder und eine Klassengemeinschaft, die große und kleine Rollen so sicher trägt wie den reibungslosen Kulissenumbau – mit dieser Leistung haben sie sich Respekt verschafft und alle mit einem Theaterkunstwerk beschenkt.

Auch die drei gut besuchten Abendvorstellungen honorierten diese Leistung mit ausuferndem Applaus und mit Erstaunen unterschiedlichster Art:

„Waaas, dafür habt ihr zwei Wochen keine Schule?“

„Klar“ ist die selbstverständliche Antwort des Waldorfschülers an die befreundete Gymnasiastin. Keine Schule? Ja, zwei Wochen keinen Frontalunterricht im 45-Minutentakt, aber Schule: sehr lehrreich und wertvoll.

„Das WIR gewinnt“ – für solche Floskeln brauchen Gewerkschaften und politische Parteien Vordenker und Werbeagenturen, so ein Klassenspiel lehrt das selbstverständlich und mit Langzeitwirkung. Die Qualität dieser Aufführungen war nicht durch ein paar Primaballerinas getragen, die allein in Hauptrollen brillierten. Es waren Gesamtkunstwerke, in der auch Rollen ohne Text sehr viel zu sagen hatten und kleine Feinheiten großartig ausgespielt wurden. Das schmälert die Leistung der vielen Hauptrollen nicht, aber sie stehen nicht allein im Rampenlicht.

Ohne jede Begleitung durch Erwachsene hatte die 6. Klasse das gesamte Bühnengeschehen allein in der Hand: Vom Vorhang über das Bühnenbild bis zu den Requisiten und dem richtigen Zeitpunkt für jeden Auftritt. Gibt es eine bessere Übung, um als Gemeinschaft zu funktionieren und alle Begabungen und Schwächen sinnvoll einzubinden und aufzufangen?

„Ich bin ängstlich voller Schreck …“

So sang der mutlose Löwe überzeugend gespielt und sprach damit vielen Kindern aus dem Herzen, denen es sehr viel Mut abverlangte, alleine vor einem vollen Saal zu singen.

Ganz ungewohnt (für Waldorfschulen) sangen sie mit Mikrofon, so selbstbewusst und klar, dass man sie vielleicht auch ohne gut verstanden hätte. Aber vielleicht hat gerade diese Verstärkung gerade denen den nötigen Mut gegeben, die fest davon überzeugt waren, eigentlich gar nicht singen zu können. Der wirkungsvollste Mutmacher war aber offensichtlich die liebevolle und kluge Regie der Klassenlehrerin Felicitas Badenius. Mit Herz und professionellem Können überzeugten auch die drei Musiker des Abends sowie die eigens für diesen Anlass arrangierte Musik.

Die Reise in das Land Oz hat sich für alle gelohnt. Auf der Bühne der Blote Vogel Schule haben Schauspieler und Publikum gefunden, wonach die Figuren des Märchens suchten: Mut, Herz und Verstand.

(Text: Ilka Neserke, Bilder: Bernhard Redecker)